Announcement: Herzlich willkommen

Vollmer JugendbildEr war ein liebevoller Vater, ein ideenreicher Pionier und ein erfolgreicher Automobilkonstrukteur – Joseph Vollmer.

Diese Website ist eine Hommage an einen der erfolgreichsten Automobilkonstrukteure, an einen Baden-Badener und an einen Großvater.

In Gaggenau trägt eine Straße seinen Namen, in seinem Geburtsort Baden-Baden ist es eine Brücke. Wir wollen Joseph Vollmer jetzt noch ein Denkmal setzen. Er hat es verdient, denn er zählt zu den bedeutendsten Konstrukteuren der Pionierjahre des Automobils.

Der Zeit entsprechend und um einen großen Kreis die Möglichkeit zu geben „mal zu denken“ – daher das Wort Denkmal – haben wir das Internet gewählt.

Die herausragende Lebensleistung von Joseph Vollmer hat bereits seine Enkelin Gisela Zincke in der Biographie über ihren Großvater „Joseph Vollmer – Konstrukteur und Pionier“ eindrucksvoll beschrieben. Teile daraus werden wir gelegentlich auch hier veröffentlichen.

Das Deutsche Museum in München erhielt Joseph Vollmers technischen Nachlass, soweit er die Kriege überstanden hatte. Über 450 in- und ausländische Patente und Gebrauchsmuster wurden Joseph Vollmer im Laufe seines Lebens erteilt.

Zum Start dieser „Denkmal-Seiten“ für Joseph Vollmer liegt der Schwerpunkt noch bei seiner ersten Wirkungsstätte „Bergmanns Industriewerke“ in Gaggenau. Hier begann seine Karriere 1894 mit der Entwicklung und dem Bau seiner ersten Automobile „Orient-Expreß“.

Der Badener Autopionier Joseph Vollmer: Vordenker der DIN

„Der Badener Autopionier Joseph Vollmer: Vordenker der DIN“ war Thema eines Referates, das Gisela Zincke am 28. Mai 2011 beim Symposium „Kopf oder Zahl – Die Quantifizierung von allem im 19. Jahrhundert° im Museum L8 in Baden-Baden hielt.

Gisela Zincke bei ihrem Vortrag im Museum L8
Gisela Zincke bei ihrem Vortrag im Museum L8

 

Darin führte sie unter anderem aus: „Im April 1915 ergriff die Verkehrstechnische Prüfungskommission des deutschen Heeres die Initiative, sämtliche Bestandteile der im Krieg verwendeten Lkw und Pkw zu vereinheitlichen. Hintergrund war die Tatsache, dass an der Front die Kfz bei dem kleinsten Defekt ausfielen, da die Ersatzteile nicht austauschbar waren. Der Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller schlug Vollmer für die Aufgabe vor. Im Rang eines Hauptmanns erarbeitete Vollmer nun gemeinsam mit eigenen Mitarbeitern und Ingenieuren der Fahrzeugfabriken die Grundeinheiten. Die Einführung des metrischen Systems im Kraftfahrzeugbau wurde 1916 abgeschlossen.

Mit dieser Arbeit gehört Joseph Vollmer zu den Vätern des Fachnormenausschusses Kraftfahrzeugindustrie des Reichsverbandes der Automobilindustrie (FAKRA) und zum Vordenker der deutschen Industrienorm (DIN).

Eine Kurzfassung des Referate wird demnächst in einem Sammelband der gehaltenen Vorträge erscheinen. Weitere Informationen dazu erscheinen dann hier.

 

Orient Express 2010 bei London to Brighton

Auch in diesem Jahr startete wieder  der Orient Express von Ron Mellowship bei der traditionellen Ausfahrt von  London nach Brighton. Nach etwa 30 km beendete ein Lagerschaden an der Kurbelwelle die Fahrt. Für Michael Wessel aus Gaggenau, der auf Einladung des Besitzers mitgefahren war, trotzdem ein unvergessliches Erlebnis.

Mehr Informationen zur Fahrt insgesamt unter http://www.lbvcr.com/

Joseph Vollmer und der HANOMAG

Eine Reihe von Traktoren für die Land- und Forstwirtschaft entwickelte Joseph Vollmer im Laufe der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, deren vielseitige Einsatzmöglichkeiten für damalige Begriffe revolutionierend war. Zunächst hatte er an die Hannoversche Maschinenbau AG (HANOMAG) die Konstruktionspläne eines kleinen Tragpfluges verkauft, dann entwickelte er große und kleine Raupenschlepper von 50 bzw. 25 PS. Die Traktoren hatten Vierzylindermotoren und liefen auf Schienenketten, deren Verschleißteile aus Spezialstahl hergestellt wurden. Die Fahrzeuge konnten große Lasten abschleppen, 20 % Steigungen bewältigen und auf der Stelle drehen, da sich die Ketten, durch ein dazwischen liegendes Differential, unabhängig voneinander bewegen konnten.

Außerdem hatten die Traktoren einen integrierten Antrieb für ortsfeste Maschinen. In großer Zahl gebaut, auch für kleinere Landwirtschaftsbetriebe erschwinglich, wurde Vollmers Hanomag-Schlepper weltbekannt und bis in die 50er Jahre auch nach Asien, Afrika und Südamerika verkauft; der Abnehmerkreis in der deutschen Landwirtschaft war bedeutend.

Der relativ teure Verschleiß der Raupenketten brachte Vollmer auf die Idee, einen Radschlepper für Hanomag zu entwickeln, der sich ab 1924 als durchschlagender Erfolg erwies. Zunächst mit einem Vierzylinder Benzol- bzw. Petroleummotor ausgerüstet, wurde das Modell später mit einem 36 PS starken Dieselmotor angetrieben.
Die Hanomag gehörte in der Zeit, als sie nach Vollmer-Lizenzen produzierte, zu den führenden deutschen Herstellern von Industrie- und Ackerschleppern.
G. Z.

Zufall und Weitsicht als Keimzelle des Automobils

Bildschirmfoto 2009-10-02 um 11.39.01Der Baden-Badener Konstrukteur Joseph Vollmer stellt 1894 dem Gaggenauer Unternehmer Theodor Bergmann Pläne für ein motorgetriebenes Dreirad vor

Glückliche Zufälle, unternehmerische Weitsicht und motivierte Mitarbeiter waren die Erfolgsfaktoren für das Entstehen und die positive Weiterentwicklung der Gaggenauer Automobilindustrie. So war es ein glücklicher Zufall, dass 1894 der junge Baden-Badener Konstrukteur Joseph Vollmer nach Gaggenau kam, um Theodor Bergmann seine Pläne für ein motorgetriebenes Dreirad vorzustellen. Der Unternehmer Theodor Bergmann hatte sich in Ottenau selbständig gemacht, nachdem er bis 1888 gemeinsam mit Michael Flürscheim die Eisenwerke Gaggenau zu einem bedeutenden Industriebetrieb entwickelt hatte.

Bergmann erkannte die Fähigkeiten Vollmers und beauftragte ihn mit der Entwicklung von Personenwagen, deren Produktion bereits ein Jahr später in Regie von Vollmer aufgenommen wurde. Sie hatten anfangs noch die auch von Benz und Daimler bekannte Kutschenform. Aber bereits 1898 waren auch andere Modelle im Programm, wie ein früher Prospekt belegt – darunter auch ein Lastwagen. Daher konnte man auch 1998 mit einem großen Fest und vielen Lkw-Oldtimern „100 Jahre Nutzfahrzeugbau in Gaggenau“ feiern. Auf das Jahr 1899 wird danach der Bau des ersten Gaggenauer Omnibusses datiert, von dem nur noch ein Foto vorhanden ist.

Als Bergmann seine Industriewerke aufbaute, konnte er viele besonders tüchtige und qualifizierte Facharbeiter aus den Eisenwerken für eine Mitarbeit gewinnen – darunter den Meister Max Roth, der sich später auch selbständig machte.

Es gelang den Gaggenauern sogar, von „Benz & Cie“ mit Franz Lipfert einen besonders fähigen Mitarbeiter als Fahrmeister abzuwerben, der noch bei „Papa Benz“ die allerersten Fahrversuche mit dem Dreirad miterlebt hatte.

Bildschirmfoto 2009-10-02 um 11.39.15Ein weiterer glücklicher Zufall war es dann, dass Bergmann im Jahr 1900 beim Besuch der Weltausstellung in Paris den Kaufmann Georg Wiß und den Ingenieur Franz Knecht kennen lernte. Wiß hatte auf der Ausstellung erstmals Automobile gesehen und war so begeistert von diesen Wunderwerken der Technik, dass er bereits im Frühjahr 1901 als Teilhaber bei Bergmann einstieg. Man hatte sich gerade mal wieder sozusagen „zu Tode erfunden“ und so konnte durch die Beteiligung von Wiß zudem die Werksschließung verhindert werden.

Den Ingenieur Franz Knecht verpflichteten Bergmann und Wiß noch in Paris als Nachfolger von Joseph Vollmer, der im November 1897 ausgeschieden war, zum Jahresende 1901. Franz Knecht war Autodidakt. Nach einer Mechaniker-Ausbildung hatte er sich bei weiteren Lehr- und Wanderjahren in Deutschland, Frankreich und der Schweiz hervorragende technische Kenntnisse angeeignet. Diese machten es ihm möglich, sich in seiner Freizeit in den Jahren 1897 und 1898 ein eigenes Automobil zu bauen – zugleich eine Referenz, um 1898 die Leitung einer Automobilproduktion in Frankreich übertragen zu bekommen.

Der weitsichtige Unternehmer Theodor Bergmann beauftragte 1901 den Konstrukteur Willy Seck mit der Entwicklung eines „winzigen Fahrzeugs mit Reibrad-Antrieb“. Dahinter steckte der Gedanke eines Volksautomobils. 1904 wurden die ersten Exemplare in Bergmanns Industriewerken gefertigt. Dieser setzte große Hoffnungen in sein „Volksautomobil“ und bot Lizenzfertigungen an. Doch nur in seiner eigenen Waffenfabrik in Suhl, Thüringen, wurden weitere Liliput-Fahrzeuge gebaut. Bergmann war offensichtlich seiner Zeit zu weit voraus.

Sechs Automobile aus der Produktion von Bergmann haben überlebt: So zwei in Kutschenform, ein Zweisitzer und ein Viersitzer aus den Jahren 1898 und 1900 sowie zwei Liliput.

„Aller Laster Anfang“ – Pionierjahre des Automobilbaus wurden lebendig

Hans-Joachim Schramm, Stefan Schwaab und Michael Wessel neben dem Tonneau
Hans-Joachim Schramm, Stefan Schwaab und Michael Wessel neben dem Tonneau

Die Gaggenauer können stolz sein auf eine lange Tradition im Bau von Fahrzeugen und Aggregaten. Mit einigen besonders attraktiven Exponaten und Dokumenten wurden vom 28. November 2009 bis 21. Februar 2010 den Besuchern des Unimog-Museums die Pionierjahre des Gaggenauer Automobilbaus nähergebracht.

„Aller Laster Anfang“ hieß die Sonderausstellung. Aus der Produktion von Theodor Bergmann stammte ein wunderschöner viersitziger Tonneau aus der Sammlung von Joachim Schramm aus Oberursel. Es war das älteste Fahrzeug der Ausstellung und das Viertälteste überhaupt erhalten gebliebene Fahrzeug aus Gaggenau.

Bei Bergmann entwickelt und dann in der Süddeutschen Automobilfabrik gebaut: ein „Liliput“, das erste Volksautomobil der Welt. Es ist eines von zwei noch erhalten gebliebenen Fahrzeugen. Als ältester Lastwagen der Welt gilt das Fahrzeug der Süddeutschen Automobilfabrik Gaggenau aus dem Jahr 1909, das jetzt wieder im Technikmuseum Speyer zu bewundern ist. Das erste Mal im Unimog-Museum zu sehen war der Benz-Gaggenau 3K2 aus dem Jahr 1916, der damit wieder zurück an seinen „Geburtsort“ gekommen war. Abgerundet wurde die Sonderausstellung durch historische Dokumente und Fotos in den Vitrinen sowie durch Schautafeln des Wirtschaftsarchivs Baden-Württemberg, auf denen die Anfänge des Omnibusbaus im Land dargestellt wurden.

Erfolge für „Orient-Express“-Wagen

Vollmer-Bergmann-ProspektRastatter Zeitung vom 2. August 1899:

Kürzlich wurde berichtet, dass Bergmanns Industriewerke in Gaggenau auf den Ausstellungen in Hamm und Nürnberg mit der goldenen Medaille für ihre daselbst ausgestellt gewesenen Motorwagen „Orientexpreß“ ausgezeichnet wurden. Bei den neulich in Nürnberg und Straßburg stattgefundenen Motorwagen-Wettrennen erzielte die genannte Firma zwei Preise, und am letzten Sonntag gelan es „Orientexpreß“, in der Klasse Tourenwagen den ersten Preis zu erringen. Dieser besteht in 500 Mark bar nebst einem Ehrenbecher. Für die badische Motorwagenindustrie ist es gewiß einerfreuliches Zeichen, dass sie solche Erfolge hat erlangen können“.

Quelle: Willi Echle: Theodor Bergmann – 1850–1931 – Leben und Wirken eines Gaggenauer Industriepioniers, Gaggenau 1979 (2. unveränderte Auflage)

„Taxi bitte!“

Vollmer-Anzeige-EnglandBergmanns Industriewerke konnten schon vor 1900 beachtliche Exporterfolge erringen. Allein nach England sollen über 200 Fahrzeuge gegangen sein. Der Londoner Vertreter war aktiv in der Werbung, beschickte alle Ausstellungen und wurde nicht müde, in Wettbewerben die Zuverlässigkeit des von ihm vertretenen Fabrikats unter Beweis zu stellen.

Es war sogar der Aufbau einer Fertigungsstätte vorgesehen, die interessierten Finanziers gaben jedoch schließlich einem amerikanischen Elektromobil den Vorzug. Zwei der nach England verkauften „Orient Express“-Wagen sind noch heute erhalten.

Es ist überlieferte, dass von den ersten nach England gelieferten „Orient-Express“-Wagen auch einige in London als Taxen eingesetzt wurden.

In einem Mail von Dirk Holl, dem Vorstandsvorsitzenden des Taxiverbandes Deutschland e. V. an Michael Wessel heißt es am 8. September 2009: „Wir gehen nun mittlerweile auch davon aus, dass, nicht wie in der Literatur behauptet, das erste Londoner Taxi aus Frankreich kam sondern eher ein Fahrzeug von Theodor Bergmann ist.

BU: „If you don’t want to have a driver’s seat on the left – order an ORIENT EXPRESS.

Anzeige aus dem Jahr 1899

Quelle: Hans-Otto Neubauer, Michael Wessel: Die Automobile der Benzstadt Gaggenau, Hamburg 1986

Ältester Orient-Express erfolgreich unterwegs

Ein „Orient Express“ von 1896 war der Star der legendären Oldtimer-Ausfahrt von London nach Brighton 2009. Erst zehn Tage vor dem Start war er fahrbereit und konnte noch nachgemeldet worden. Der Gaggenauer Michael Wessel wollte sich dieses besondere Ereignis nicht entgehen lassen und besuchte mit seiner Tochter Tina die einzigartige Ausfahrt mit 600 Oldtimern, die alle vor 1905 gebaut sein mussten. Jedes Fahrzeug ist somit ein Museumsstück.